Theologie und Naturwissenschaft .info

Informationen des Gesprächskreises "Theologie und Naturwissenschaften" an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel (Campus Wuppertal)
In Kooperation mit der Evangelischen Akademie im Rheinland, Bonn

 

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   Theologie und Naturwissenschaften, sind das nicht Gegensätze?

Im Gefolge der Aufklärung ist eine Betrachtung des Verhältnisses von Theologie und Naturwissenschaften als Konflikt weit verbreitet. Dieser Auffassung nach waren Menschen früherer Zeiten tendenziell sehr religiös und haben die Umwelt daher in religiösen Termini beschrieben. Mit dem Kommen der modernen Wissenschaft jedoch wurde die natürliche Welt viel besser verstanden, so dass wissenschaftliche Erklärungen die religiösen Erklärungen zunehmend ersetzten. Natürlich , so meinen Vertreter dieser Aufassung, erregte sich die Kirche über solche Entwicklungen und tat ihr bestes, das neue Wissen zu ersticken. Im Laufe der Zeit jedoch eroberte die neue Wissenschaft siegreich das intellektuelle Leben der westlichen Welt und ließ den Theologen keine andere Rolle übrig, als Rückzugsgefechte zu fechten und neuere Entwicklungen gelegentlich zu attackieren.

Wie passt aber ein Gesprächskreis zwischen Theologen und Naturwissenschaftlern an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal in dieses Bild? Hier treffen sich monatlich Naturwissenschaftler und Theologen, um über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Disziplinen zu beraten.

Tatsächlich ist die historische Entwicklung und Auseinandersetzung zwischen Theologie und Naturwissenschaften wesentlich vielschichtiger als der oben geschilderte moderne Mythos behauptet. Zunächst ist festzuhalten, dass zu Beginn der Naturwissenschaften die positive Würdigung der Natur als Gottes Schöpfung lag. Die Gedanken Gottes nachzubuchstabieren war eine Hoffnung, die der sehr gläubige Astronom Johannes Keppler mit seinem Unternehmen anfangen wollte. Einen Reflex finden diese Ursprünge noch im Schlußkapitel von Stephen Hawkings "Kurzer Geschichte der Zeit" (eine schlüssige Kritik dazu formuliert Hawkings Cambridger Kollege John Polkinghorne).

Was die Aufnahme der Evolutionstheorie angeht, muss man darauf verweisen, dass schon früh einige Theologen den Gedanken Darwins durchaus positiv gegenüberstanden, so z.B. der anglikanische Geistliche Charles Kingsley, den Darwin in der zweiten Auflage des Origin of Species auch zitierte. In Deutschland gestaltete sich die positive Aufnahme Darwins durch die monistische Interpretation der Evolutionstheorie seitens Ernst Haeckels als schwierig. Eine gesunde Vorsicht vor all zu schnellen Ineinssetzungen hat sich hier bis heute bewahrt, auch als Erbe des Kirchenkampfs der Bekennenden Kirche. In der Ablehnung einer natürlichen Theologie (als Quelle der Verkündigung der Kirche) wurde der "geschichtlichen Stunde" 1933 mit dem Festhalten an dem einen Wort Gottes eine deutliche Absage erteilt. Gottes Äußerungen im "Buch der Natur" mußten in ihrer Bedeutung hinter das klare Zeugnis der Bibel zurücktreten.

Als Erbe dieser Auseinandersetzung läßt sich die Aussage Karl Barths, des "Kirchenvaters des 20.Jahrhunderts" begreifen: "Die Naturwissenschaft hat freien Raum jenseits dessen, was die Theologie als das Werk des Schöpfers zu beschreiben hat. Und die Theologie darf und muß sich da frei bewegen, wo eine Naturwissenschaft … ihre gegebene Grenze hat.“ So befreiend diese beiderseitige Grenzziehung ist, so offen läßt sie die Frage, wie denn das Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaften angemessen zu bestimmen ist.

Derzeit läßt sich sagen, daß die Beziehungen zwischen Theologie und Naturwissenschaften, insbesondere durch Förderung der Templeton Foundation, ein stark wachsendes Forschungsfeld mit Schwerpunkt in den USA und England darstellen. Zunehmend werden auch europäische Institutionen außerhalb Englands in den internationalen Dialog eingebunden. So ist auch der Gesprächskreis Theologie und Naturwissenschaften an der Kirchlichen Hochschule ein Glied im Netzwerk der "Local Societies Initiative" des Metanexus Instituts, Philadelphia, geworden.

Wir wollen in Zukunft auf dieser Webseite versuchen, einen ersten groben Überblick über den Diskussionsstand zu geben. Als Einführung in das Gespräch seien Ihnen die unten angegebenen Bücher empfohlen.

Andreas Losch

Alister E. McGrath
Naturwissenschaft und Religion.
Eine Einführung (Herder 2001)

Gut lesbare Einführung mit Sinn für geschichtliche Entwicklungen.

John Polkinghorne
Theologie und Naturwissenschaften.
Eine Einführung (Gütersloh 2001)

Wer eher eine Einführung aus einer eigenen Position heraus sucht, sei auf das Buch Polkinghornes verwiesen.

Denis Alexander
Rebuilding the Matrix
Science and Faith in the 21st Century (Lion Books Oxford 2001)

Wenn Sie des Englischen mächtig sind, sei Ihnen vor allem diese aktuelle und umfassende Darstellung empfohlen.

   

 

 

 


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Stand: 04.04.2008 Kontakt: post@theologie-naturwissenschaft.info