Presseschau - deutschsprachige Artikel

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Die Presseschau bietet kurze aktuelle Lesehinweise , zusammengestellt und kommentiert von Silke Hartmann (sh) und Heinz-Hermann Peitz (hhp) von unserem Kooperationspartner Forum Grenzfragen, und von unserem Redakteur Andreas Losch (al).
2009/11/24: Biologe Steve Jones im Interview: "Der Sex wird gewinnen" - Frankfurter Rundschau
Die FR veröffentlich zum 150. Jubiläum von 'The Origin of Species' ein Interview mit dem britischen Biologen Steve Jones, der dieses Jahr sein viertes Buch über Charles Darwin herausbrachte. Darwin ist für Jones "der erstaunlichste Kerl, der je gelebt hat" und Jones nennt 'Die Entstehung der Arten' "das Buch eines Genies". Seiner Meinung nach ist heutzutage die Evolution des Menschen vorläufig beendet, denn es findet keine natürliche Selektion durch frühzeitigen Tod mehr statt, so dass schlechte Gene weitervererbt werden. Die körperliche Entwicklung des Menschen ist - im Gegensatz zur kulturellen Entwicklung - auf Steinzeitniveau stehen geblieben. In gentechnischen Veränderungen des Erbgutes sieht Jones jedoch kein Problem; er stellt fest, dass Sex zu viel Spaß mache als dass er durch Reagenzglasbefruchtungen ersetzt werden könne. sh
2009/11/20: Die Evolution im Paradies - Hamburger Abendblatt
An der Universität Münster entsteht das erste "Institut für Theologische Zoologie" an einer deutschen Hochschule. Der Seminarleiter Rainer Hagencord, Priester, Biologe und Philosoph will mit den Studenten interdisziplinär arbeiten. Erkenntnisse aus der Evolutionstheorie Darwins, aber auch aus der Gen- und Hirnforschung sollen in Beziehung gesetzt werden zum biblischen Schöpfungsglauben - nicht als unversöhnliche Gegensätze, sondern auf der Suche nach einer "angemessenenen theologischen Reaktion auf die Forschungsergebnisse der jüngsten Zeit". So stellen sich angesichts der engen genetischen Verwandschaft von Mensch und Tier neue Fragen zum Verhältnis des Menschen als "Krone der Schöpfung" zu Tieren und Pflanzen. "Der Mensch begnügt sich auch längst nicht mehr damit, Tiere und Pflanzen zu nutzen: Er greift durch Vertreibung, Ausrottung, Zucht und mit immer feineren Veränderungen des Erbguts in die Evolution ein."
2009/11/11: Meisner vergleicht Dawkins mit Nazis - Presseschau bei forum-grenzfragen
In seiner Predigt zum Hochfest Allerheiligen warnt Kardinal Meisner vor einem "wissenschaftlichen Atheismus". Dabei wirft er Richard Dawkins ein ähnliches Menschenbild vor wie es die Nationalsozialisten vertreten hätten. Die Reaktion der Presse reichte von vehementer Kritik bis zu vorsichtiger Zustimmung. Die Presseschau von forum-grenzfragen gibt einen bewertenden Überblick und vergleicht die Äußerungen mit den Ausführungen Richard Dawkins' im Original. Dabei ergebe sich, dass die Warnung vor einem wissenschaftlichen Atheismus wichtig und richtig sei, der Nazi-Vergleich erweise sich jedoch eindeutig als unzutreffend. hhp
2009/11/11: Der Vatikan und die Erlösung von Außerirdischen - Welt online
Vgl. auch: 2009/11/13: Alien life is possible: Vatican - ABC News. Der vorliegende Artikel wirft verstärkt den Blick auf die Entstehung des Lebens auf unserem eigenen Planeten, was mit "gewaltigen Umwälzungen" einherging. Theologisch wird nach der Erlösung der Aliens gefragt. Funes spekuliert: "Möglicherweise ... haben Außerirdische ja das Heilshandeln Christi gar nicht nötig, weil allein die Menschheit das verirrte Schaf im Weltall ist". hhp
2009/11/06: Tiere haben einen Wert auch vor Gott - Theologische Zoologie - Gesellschaft-Nachrichten - news.de
Am 15.12. wird das von Rainer Hagencord gegründete "Institut für Theologische Zoologie" eröffnet als Antwort auf das Fehlen der Tiere in der modernen Theologie. Dabei seien Tiere "nicht durch Vernunft oder durch den Sündenfall von Gott getrennt". In dieser Unmittelbarkeit sei das Tier "in einem Zustand, den wir uns erhoffen, wenn wir meditieren" (ob man hier nicht 1. und 2. Naivität unterscheiden müsste? hhp). Die Ziele des Instituts liegen zum einen in der "theologischen Würdigung des Tieres", in tierethischen Fragen (z. B. Massentierhaltung), aber auch das Nahebringen von Theologie in Tierparks. Hagencord grenzt sich dabei von Kreationismus und ID deutlich ab: Die Erde sei eben nicht nur für den Menschen gemacht. Ein Designer wäre nicht sehr intelligent, wenn er einen Planeten für den Menschen erschaffe, der zu 3/4 für diesen unbewohnbar ist. hhp
2009/10/30: Bibel kapert Biounterricht - Evolution oder Schöpfung? - Gesellschaft-Nachrichten - news.de
Der Artikel berichtet von einer (wohl älteren, 2006 durchgeführten) Umfrage des BBC wonach 22% für den Kreationismus, 17% für ID votierten. Diese sollten für 43% neben der darwinistischen Evolutionstheorie einen Platz "im Schulunterricht" erhalten. Die Bildunterschrift spricht indes vom "Einzug der Schöpfungsgeschichte ins naturwissenschaftliche (!) Klassenzimmer" - was einen grundsätzlichen Unterschied darstellt. In Deutschland habe sich nur die hessische Kultusministerin Karin Wolff "für eine Aufnahme der Kreationistenmodelle in den Schulunterricht ausgesprochen". Falsch: Wolff sprach nicht von Kreationismus, sondern von Schöpfungslehre; sie sprach von Biologieunterricht, nicht von Schulunterricht. Es wird nicht sauber zwischen Bio, Reli, Schule, vor allem aber nicht zwischen Kreationismus und moderner Schöpfungslehre unterschieden. Der Artikel ist sichtlich bemüht, aber völlig überfordert, Klarheit zu schaffen. hhp

